Was ist eine Immobilie wirklich wert? Banken brauchen einen Beleihungswert, Finanzämter einen Steuerwert, Käufer einen Marktpreis. Je nach Ziel wird eine andere Methode angewandt.
1. Vergleichswertverfahren
Grundprinzip: Was haben vergleichbare Objekte in der gleichen Lage zuletzt erzielt? Dieses Verfahren ist am marktnahsten und wird bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern bevorzugt.
- Basis: Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse
- Anpassung: Baujahr, Größe, Lage, Ausstattung
- Vorteil: Nah am tatsächlichen Marktpreis
- Nachteil: Nur bei ausreichend Vergleichsobjekten möglich
2. Sachwertverfahren
Für Objekte ohne vergleichbare Verkäufe (individuelle Villen, Spezialgebäude). Formel: Bodenwert + Gebäudesachwert - Alterswertminderung.
- Bodenwert: Grundstücksgröße × Bodenrichtwert
- Gebäudesachwert: Herstellungskosten abzüglich Abschreibung
- Korrektur durch Marktanpassungsfaktor (Sachwertfaktor)
Problem: Der Sachwert kann deutlich über oder unter dem Marktpreis liegen — besonders in Toplagen oder strukturschwachen Regionen.
3. Ertragswertverfahren
Für vermietete Immobilien: Was bringt die Immobilie an Mieteinnahmen? Formel: Reinertrag ÷ Liegenschaftszinssatz + Bodenwert.
- Reinertrag = Jahresmiete − Bewirtschaftungskosten (ca. 25 %)
- Liegenschaftszinssatz: 3–5 % (regional unterschiedlich)
- Beispiel: 15.000 € Reinertrag ÷ 4 % = 375.000 € Ertragswert
Was gilt bei Kreditvergabe?
Banken ermitteln den Beleihungswert — dieser liegt 10–20 % unter dem Verkehrswert. Sie beleihen die Immobilie nur bis zu 60–80 % dieses Wertes günstig. Je nach Verfahren und Lage kann der Beleihungswert deutlich unter deinem Kaufpreis liegen.
Den Bodenrichtwert für dein Wunschobjekt findest du im BORIS-Portal deines Bundeslandes kostenlos. Er ist Basis für Sachwert- und Ertragswertverfahren und hilft dir zu erkennen, ob der Kaufpreis in der Lage fair ist.

